Standortfaktoren

Standortattraktivität ist entscheidend für künftigen wirtschaftlichen Erfolg
Insgesamt gibt es eine Fülle von Standortfaktoren. Für eine erfolgreiche regionale Standortpolitik ist es jedoch notwendig, sich auf jene zu konzentrieren, die politisch beeinflussbar und für die Ansiedlung von Unternehmen und Arbeitskräften entscheidend sind. Zur Beurteilung der regionalen Standortqualität müssen sowohl klassische «harte» Standortfaktoren wie Regulierung oder Besteuerung als auch moderne «weichere» Faktoren wie Lebensqualität herangezogen werden. So können je nach Bedürfnis die Stärken der Region gegenüber Konkurrenzregionen dargestellt, die eigenen Schwächen für den internen Strategieprozess identifiziert oder ansiedlungswilligen Unternehmen die Vorteile kommuniziert werden.

Umfassende Indikatorensets für die fundierte Analyse
Wir stellen Ihnen standardmässig Indikatorensets zu den Themen Innovation, Regulierung, Besteuerung, Erreichbarkeit, Fachkräfte und Geschäftsumfeld zur Verfügung. Die Indikatoren beziehen sich zumeist auf der regionalen Ebene, einige Indikatoren spiegeln eher nationalen Rahmenbedingungen wider. Indikatoren zur Lebensqualität werden jeweils für die angefragten Regionensets individuell zusammengestellt.

Innovationskraft – Der wesentliche Wachstumstreiber einer technologisierten Welt
Ziel der Messung der Innovationskraft ist die möglichst breite Auffächerung und Darstellung der Innovationsanstrengungen von Regionen. Gerade in arrivierten Regionen mit hohem Wohlstandsniveau ist oftmals die Innovationskraft entscheidend für die Zukunftsfähigkeit und damit über den Gestaltungs-, Handlungs- und Verteilungsspielraum von Regionen. Insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sind zur Sicherung des Wohlstands und der Handlungsfähigkeit grosse Produktivitätsforschritte im Sinne des technologischen Fortschritts notwendig. Die Schaffung eines innovationsfreundlichen Umfeld ist branchenübergreifend wichtig, weil Neues zunehmend nicht aus neuen Technologien sondern aus der intelligenten Verknüpfung bestehender Technologien entsteht. Für das Innovationsumfeld einer Region sind die Qualität der Universitäten und Forschungsinstitute sowie die Forschungsausgaben entscheidend, für die wirtschaftliche Dynamik ist zusätzlich entscheidend, wie die Forschungsschwerpunkte mit der Wirtschaftsstruktur, d.h. der wirtschaftlichen Spezialisierung der Region korrespondieren. Für die Industriebranchen sind insbesondere die Patentaktivitäten ein wichtiger Massstab für die zukünftige Innovationskraft. Diese drei Indikatoren (Qualität der Universitäten, Forschungsausgaben, Patente), verknüpft mit der Forschungslandschaft und der Wirtschaftsstruktur bilden den Gradmesser für Innovationskraft einer Region.
Datengrundlage für die Forschungsausgaben sind OECD, Eurostat, BfS (CH), National Science Foundation (USA). Die Patente werden von internationalen Patentdatenbanken bezogen.

Besteuerung – Die steuerliche Standortattraktivität für Unternehmen und (hochqualifizierte) Arbeitnehmer
Der Steuerbelastung wird im globalen Standortwettbewerb eine hohe Bedeutung zugemessen. Der BAK Taxation Index zeigt auf, welche Standorte im internationalen Steuerwettbewerb über gute Karten verfügen. Berücksichtigt werden die effektiven Steuersätze für Unternehmen und hoch qualifizierte Arbeitskräfte und damit die Steuerbelastungen für die Zielgruppen des globalen Standortwettbewerbs. Im BAK Taxation Index stehen verschiedene Auswertungen zur Verfügung. Zentral für den Standortentscheid eines Unternehmens ist die effektive Steuerbelastung in Prozent des Gewinns einer hochprofitablen Investition. Darüber hinaus ist u.a. die Grenzsteuerbelastung (relevant für den Standortausbau) enthalten. Für Arbeitnehmer wird die effektive Steuerbelastung in Prozent der Beschäftigungskosten für drei (mittlere bis hohe) Einkommensklassen und zwei Familienstände ausgewiesen. Neben den Einkommenssteuern werden auch die Lohnnebenkosten mit Steuercharakter auf der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite berücksichtigt. Der BAK Taxation Index wird von BAK zusammen mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW, Mannheim) seit 2001 regelmässig erhoben.

Erreichbarkeit – Wie schnell sind Produktionsorte und Absatzmärkte zu erreichen?
Für Unternehmen spielt der Zugang zu Beschaffungs- und Absatzmärkten eine zentrale Rolle. Je stärker die regionale und internationale Verflechtung von Forschungs-, Produktions-, Logistik- und Absatzprozessen voranschreitet, umso wichtiger ist die schnelle und möglichst direkte Erreichbarkeit. BAK verfügt über eine Datenbank mit 60’000 globalen und 120’000 europäischen Verbindungen (Stadt zu Stadt). Die Berechnungen beinhalten die Anreise zum Bahnhof oder Flughafen, die Transfer Zeit, Check-in Zeit (Reiseziel- und Flughafenabhängig), Flug- und Fahrzeit inkl. Umsteigezeit sowie die Zeit vom Zielflughafen zum Hauptbahnhof am Zielort separat berechnet für sieben Wochentage. Die Daten werden von BAK regelmässig seit 2003 erhoben. Es können Erreichbarkeitsprofile für die Konkurrenzregionen erstellt werden mit absoluten Reisezeiten nach Destinationen, aber auch grundsätzliche Aussagen sind möglich («wieviel Prozent des Welt-BIP sind in wieviel Stunden erreichbar»), differenziert nach relevanten Absatzmärkten und Produktionsstandorten. Das Gesamtkonzept wurde gemeinsam mit dem Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich und dem Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Universität Basel erarbeitet.

Lebensqualität
Die Lebensqualität ist ein zentraler Anziehungsfaktor für (hochqualifizierte) Arbeitskräfte. Diese sind wiederum entscheidend für die Innovationsfähigkeit und Wachstumsdynamik von regionalen Volkswirtschaften. Die Grundlage ist eine Einordnung der Lebensqualität im internationalen Vergleich anhand von quantitativen Indikatoren. Diese gruppieren sich in drei Bereiche: Wirtschaftliches Umfeld (Einkommen, Steuern, Mieten, Verfügbarkeit und Wachstum von Arbeitsplätzen, Arbeitslosigkeit, Erreichbarkeit); Gesellschaftliches Umfeld (Sicherheitsempfinden, Kriminalität, Lebenserwartung, Beschäftigte Gesundheitswesen, internationale Schulen, Qualität der Universitäten, Anzahl und Qualität von kulturellen Einrichtungen, Restaurants, Logiernächte, Offenheit..) und Umweltbedingungen ( Klima und Lage, Emissionen, Modalsplit, ..) Datenquellen sind international valide Statistiken, beispielsweise OECD, European Social Survey, World Value Survey, International Baccalaureat, etc.). Darüber hinaus kann bei Bedarf die Analyse durch subjektive qualitative Einschätzungen der Lebensqualität durch Fachkräfte in der Region erweitert werden, beispielsweise durch Befragungen oder Interviews.

Regulierung – Freiräume und planbare Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften schaffen
Regulierungen korrigieren primär Marktversagen und dienen dem Konsumenten- und Investorenschutz. Regulierung kann aber auch Kosten in Form von Administration und Controlling sowie inkompatiblen Anreizen verursachen. Eine wettbewerbsfähige Regulierung schafft Freiräume für erfolgreiches Wirtschaften. Zur Messung des Regulierungsgrades werden Indikatorensets zur Produktmarktregulierung und zur Arbeitsmarktregulierung verwendet. Eine gute Produktmarktregulierung fördert den Wettbewerb, verhindert marktbeherrschende/monopolistische Stellungen und sichert gleiche Wettbewerbsbedingungen sowie Unternehmensinvestitionen. Eine gute Arbeitsmarktregulierung erlaubt wirtschaftsfreundliche Beschäftigung von Fest- und Temporärarbeitskräften, niedrige Rekrutierungs- und Kündigungskosten. Der Regulierungsvergleich bezieht die gesamtwirtschaftliche Regulierung (Administrationskosten, Marktzugangs- und Investitionshürden) ebenso wie sektorielle Bestimmungen beispielsweise für freie Berufe, Einzelhandel oder Infrastrukturbereiche wie Telekom- oder Elektrizitätsnetze ein.
Als Datenquellen werden OECD-Regulierungsindikatoren und die «Economic Freedom» Indikatoren («Business Regulations» und «Labour Market Regulation») des Fraser Instituts verwendet.

Fachkräfte – Ein harter und entscheidender Standortfaktor
Alle Regionen stehen vor der Herausforderung, dass Arbeitsmärkte sowohl zahlenmässigen, als auch qualifikationsbedingten Begrenzungen unterliegen. Aufgrund der weiteren Zunahme der Wissensintensität in wirtschaftlichen Prozessen und grösser werdender Engpässe bei einzelnen Berufsgruppen entwickelt sich die Verfügbarkeit von Fachkräften ebenso wie der Wettbewerb um die besten Talente zu einer strategischen Daueraufgabe. Dabei ist zu berücksichtigen, dass neben der aktuellen Verfügbarkeit auch die mittelfristige Fachkräftemigration und langfristig die entsprechenden Ausbildungskapazitäten von Bedeutung sind. BAK analysiert die Fachkräfteverfügbarkeit in den Regionen und im Regionenvergleich anhand von vier Modulen: Die «Verfügbarkeit von Arbeitskräften» wird über folgende Indikatoren gemessen: Erwerbsquote und Erwerbspotential sowie dem Anteil der ausländischen Erwerbstätigen. Die «Arbeitsmarkteffizienz» wird anhand Arbeitslosenraten (nach Alter, Geschlecht, etc.) erfasst. Die «Qualität der Arbeitskräfte» wird abgebildet durch Indikatoren zum erreichten Bildungsniveau der inländischen und ausländischen Erwerbstätigen, zu den Weiterbildungsmöglichkeiten sowie zu den Hochschulabsolventen. Die «regionale Attraktivität für Arbeitskräfte» spiegelt die Fähigkeit der Region Fachkräfte anzuziehen und zu halten. Dabei sind die vorherrschende Qualität der Arbeitsplätze (internationale Firmen, hochproduktive und zukunftsfähige Unternehmen) sowie die Einkommensmöglichkeiten als auch ein lebenswertes Umfeld (Lebensqualität) entscheidend.